Scuba Diving - Into the Blue

Tauchen bezeichnet den Sport/das Hobby des Tauchens unter Wasser mit einem Gastank. Ich persönlich finde, dass der Begriff „Tauchen“ nicht ansatzweise dem nachkommt, was es mit der Beschäftigung auf sich hat. Es klingt eher wie ein langes Luftholen und Fortbewegen unter Wasser. In Wirklichkeit ist es jedoch viel mehr. 

Bevor ich Scuba Diving Anfang 2022 in Thailand selbst ausprobierte, war mir das Phänomen des Tauchens fremdartig. Alle Menschen die es bereits gemacht haben, schienen es zu lieben und zu leben, alle anderen hatten keine Ahnung und teils sogar Bedenken. Bei meinem Open Water Diver erkannte ich dann den Hype, den es mit dem Tauchen auf sich hat, wenngleich die drei Tage in einer dreimonatigen Nasennebenhöhlenentzündung resultierten. Jetzt eine Woche lang in Marsa Alam/Ägypten gewesen und goddamnit, Scuba Diving ist eine der berauschendsten und faszinierendsten Aktivitäten, die ich je unternommen habe. 

eine andere Welt:

Wenn ein Fisch bewusst wahrnehmen könnte, würde er sich beim Erblicken eines Tauchers den Arsch ablachen. Egal wie erfahren sich der Master Diver auch anstellen würde, für den Fisch wäre er ein unbeholfener Überwasserbewohner der mit Ausrüstung durch die Tiefe eiert. Wenn du als Taucher ein Riff besuchst, tauchst du wortwörtlich in eine andere Welt ein. Ein Teil dieser Welt zu sein (oder zumindest das Gefühl davon zu haben) ist der Unterschied zwischen dem Tauchen und dem Schnorcheln. Ich kann mich mit meinen 25 Tauchgängen nur zu den Diving Hotspots Koh Tao und Marsa Alam äußern - sicherlich ist das Tauchen im Gardasee anders. Doch wenn du unter die Oberfläche sinkst, entdeckst du ausschließlich Tiere und Pflanzen, die dir schlichtweg unbekannt sind. Da unten gibt es Schnecken, Igel, Pilze, Pflanzen, Kleintiere, Schlangen, Fische und Aliens die in ihrem Aussehen und Verhalten so skurril sind, dass man gar zweifeln möchte, dass wir auf der selben Erde leben. Farben intensiver als der stärkste Instagram Filter und Muster, die aussehen als hätte ich sie als Kleinkind im Mandala ausgemalt, zieren das Antlitz dieser ehrwürdigen Geschöpfe. Okay jetzt habe ich über die Stränge geschlagen… Fakt ist: Getaucht muss man gewesen sein, or else you miss something out. 

das Schwebegefühl:

Im Wasser hast du das realste Gefühl der natürlichen Schwerelosigkeit, welches ohne den Eintritt ins All oder einen Parabelflug möglich ist. Bestimmt 40% des Tauchens machen für mich (als Anfänger) dieses Körpergefühl aus. Fortgeschrittene tauchen stets mit verschränkten Armen vor dem Torso, oder sie machen wie deutschen Polizisten den Chickenwing. Ich hingegen liebe es, meine Arme auszubreiten und durch den Raum zu gleiten wie Peter Pan. Es erfüllt mich mit Lebendigkeit, mit einer Längsachsendrehung die Luftblasen ihren zwanzig Meter langen Weg bis zur Oberfläche zu verfolgen und die Sonnen- oder Mondstrahlen durch das Wasser schimmern zu sehen. Die gesamte visuelle Perspektive und Körperempfindung ist eine Andere, wenn du kopfüber das Riff beobachtest. Alles ist umgedreht, dann eine Seitwärtsdrehung um 90 Grad gemacht und du siehst eine riesige Schildkröte kopfüber an dir vorbeisausen. Jetzt eine 180 Crad frontal Drehung und du siehst wie sich die gesamte Riffwand vor deinen Augen ausdehnt, bis du wieder in der Normalausrichtung austariert umhergleitest. Im Wasser ist dein Sichtbereich & Körper um jeden Winkel und jede Richtung 100% veränderbar, das hat mich schon immer beeindruckt - selbst im Schwimmbad, doch beim Tauchen hast du eine viel größere Möglichkeit diese Schwebe zu nutzen und anhand von Blickpunkten des Riffs festzumachen. Du siehst etwas Besonderes 3 Meter über dir? Kein Problem, schwebe einfach durchs Wasser dorthin. Dann ein Rochen 7 Meter unter dir - lass dich durchs Ausatmen nach unten seilen, als würdest du den Sancy-Diamanten aus dem Louvre klauen. Um das perspektivische Verständnis zu untermalen, empfehle ich die Kampfszenen Orm vs Aquaman (Aquaman 2018) oder Dr. Strange vs Ebony Maw (Avengers: Infinity War 2018). Bei all dem Rumfliegen muss natürlich darauf geachtet werden, dass Meeresbewohner nicht verscheucht oder andere Taucher verärgert werden ;)

Varianz: 

Nicht nur die Flora und Fauna im Schwebegefühl begeistern als Scuba Diver – die unterschiedlichsten Tauchgänge offerieren ein riesiges Spektrum von Routenmöglichkeiten. Genießt du auf seichten 10 Metern die Riffseite oder wirst du von 50 Metern erdrückt und dir der Sauerstoff gestohlen? Tauchst du durch Höhlen und Tunnel aus Korallen und Riffgestein, oder erkundest du die gigantische Schiffsschraube eines untergegangenen Wracks? Springst du 2 Meter vom Schiff in das Wasser und lässt dich zum Grund, oder läufst du ins Meer, um langsam durch das Seegras zu tauchen und Tiefe zu gewinnen? Eine meiner bisherigen absoluten Highlights war der Nightdive am Hausriff des Hotels ‚Oasis‘. Das Wasser ist verheißungsvoll schwarz und macht den Anschein als würde es dich in seiner ewigen Weite verschlingen wollen. Doch einmal mit der Taschenlampe reingesprungen findet die Angst vor lauter Staunen keinen Platz mehr. Bis auf eine leichte Mondkontur und die mit der Taschenlampe beleuchtete Fläche, findest du dich in absoluter Dunkelheit wieder. Dadurch liegt das Augenmerk viel stärker auf dem Subjekt, welches wahrgenommen wird. Reist man beim Tagtauchen in eine andere Welt, so erfasst dein Augenlicht beim Nightdive ein anderes Universum, eine andere Realität. Das klingt etwas überzogen, aber die riesigen Korallengebilde vor und über dir, die strahlend leuchtenden Fische und das allumgebende Schwarz vermittelt einen absoluten Space Vibe. Noch dazu kam der riesige Fischschwarm aus gut über 100 verschiedenfarbigen Fischen, der dich stets verfolgt aber so tut als hätte er das nie vorgehabt, sobald man sich mit der Lampe umdreht. 

Drawbacks:

Tauchen ist unglaublich einfach und durchaus ungefährlich. Trotzdem birgt es stets ein Risiko und vor allem ein großes Potenzial für unangenehme Erfahrungen. In nicht einmal 20 Tauchgängen sind mir an Missgeschicken schon mehr passiert als mir recht sind! Von einer nicht funktionierenden Tauchmaske/-brille die andauernd beschlägt und Wasser hineinlässt, über einen Dauerkrampf im Fuß bis hin zu Druckstörungen und Ohrenschmerzen… die Liste ist lang. Hinzu kommt, dass die Farben der Korallen für Laien nicht wie in „Nemo“ oder sonst irgendeinem Film vorzustellen sind. Natürlich gibt es knallgelbe, -rote und -blaue Korallen, doch die traurige Wahrheit lässt die meisten Korallen sehr farbenarm stumpf erscheinen – als wären sie einem Graustich zum Opfer gefallen. Ob das an der zunehmenden Korallenbleiche liegt, oder viele Neueinsteiger einfach ein falsches Bild von der regenbogenfarbenen Unterwasserwelt haben, konnte ich noch nicht herausfinden. Viele ältere Taucher haben mir erzählt, dass die Korallen in kaum einem Gebiet bunter waren, als jene die ich zu Gesicht bekommen habe. Fakt ist jedoch: Besser stets um die Korallen zukünftig sicherlich nicht, also haltet euch ran etwas zu sehen, bevor es nicht mehr geht. 

Fazit:

Wenn ein Tauchgang bevorsteht und es das Briefing gibt, fängt das Gefühl an. Wenn die Ausrüstung bereit liegt und ich mir alles zusammenbaue und anlege, fühle ich mich schließlich vollständig wie ein Navy Seal vor dem Ausführen eines unglaublich wichtigen Underwater Mission. Meine MG ist der Sichtbereich und er nimmt alles ins Visier, was die Augen auffassen können - mit dem Unterschied, dass ich als Taucher niemals etwas anfasse. Ich bin ein Besucher aus einer anderen Welt und möchte diese kennenlernen… und es gibt noch so unglaublich viel kennenzulernen.

Previous
Previous

der Wert des menschlichen Lebens

Next
Next

How I did a Fierce Fortune