ein süßes Polizistchen
Im Folgenden erhebe ich eine Aufzählung genauestens dokumentierter Fälle von gelungenen Fluchtversuchen vor den polizeilichen Behörden. Dieses Protokoll ist offensichtlicherweise rein fiktiv und dient lediglich dem Unterhaltungszwecke! 👀
der Kirchbauten Escape:
Gang und Nachwuchs waren auf der Kirchenbaustelle an einem Freitag oder Samstag Abend in der Heidelberger Altstadt rumturnen. Sobald wir von dem Gebäude runter waren, spottete uns ein Streifenwagen und wir rannten allesamt erfolgreich weg. Dummerweise wogen wir uns in der Nachbarsstraße bereits zu sicher, als das Polizeiauto ein zweites Mal die Verfolgung aufnahm und wir uns alle in verschiedene Richtungen bewegten. J* pullte ein 1000+ IQ Move indem er sich barely bewegte und mit zwei Schritten hinter eine Auto stellte, während L* und R* über eine Mauer hinfort kletterten und ich die Straße entlang zum Neckarufer über die Hauptstraße sprintete. Noch während dem Wegrennen hörte man ein lautes Aufschreien und die Gruppe wusste, dass es einen von uns erwischt haben muss. Diese unglückliche Seele war H*, der wegen eines Stolpern erfasst und ohne Zimperlichkeit auf den Boden gerungen wurde. Anschließend mitgenommen, konnte er sich jedoch aufgrund von fehlender Beweislage rausreden, indem er sagte er sei aus Schock und Angst weggerannt, hätte jedoch nichts mit den vermeintlichen Tätern zu tun.
die Caré-Kreuzüberfahrt:
Ich fuhr im Beisein von J* alkoholisiert mit dem Fahrrad über eine rote Ampel an der riesigen Kreuzung des Carés in Heidelberg. Plötzlich schaltete sich das Blaulicht eines Streifenwagens gegenüber von uns ein und der Wagen fährt ebenfalls über rot und machte auf der verlassenen Kreuzung eine scharfe Wendung, um sich in unsere Straßenseite einzugliedern. Wir fuhren und kommunizerten miteinander, dass es in die rechte Richtung gehe und wir nicht anhalten wollen. Der Polizeiwagen beschleunigte so stark, dass er nun neben uns fuhr. Der Beifahrer lies energisch sein Fenster herunter und schrie mich an, ich solle auf der Stelle stehen bleiben. Ich ballerte in die Pedale, schaute panisch zur Seite und entgegne ihm, dass ich das gleich machen werde. Kurz darauf fuhr ich nochmal rechts auf den Parkplatz nahe Hilton Hotel in der Weststadt rein und sie mir hinterher. Sie ahnten bereits, dass ich die für Autos nicht befahrbare Unterpassage nutzen wollte und fuhren mit Fullspeed zurück auf die Kurfürsten-Anlage. J* hatte den schlauen Einfall unseren Weg Richtung Norden nur anzutäuschen und stattdessen in der Weststadt zu verschwinden. Der Plan ging auf, doch zerschmetterte ich beim vorherigen Einfahren in die Passage leider meinen Fahrradreifen zu stark, sodass das Fahrrad nicht mehr zu gebrauchen war und ich zu Fuß weiter abhauen musste.
der Longboard-Wehrsprint:
Ich fuhr mit meinem ersten E-Longboard in der Nähe des Wehrstegs in Heidelberg über eine rote Ampel. Die Polizei schaltete ihr Blaulicht ein und fuhr mit dem Auto direkt an der anderen Treppe zum Wehreinstieg an, wo ich mit dem 6kg Board auf dem Aufstieg war. Es folgte eine Verfolgungsjagd zu Fuß über das Wehr und ich merkte, wie das schwere Board meinen Sprint deutlich einschränkte, während die zwei Polizisten mir sehr nahe kamen. Ich konnte wegen der unebenen Hölzerlattenstruktur des Wehrbodens eine gescheiterte Fahrt mit dem Board nicht riskieren. Letztlich schaffte ich es auf der anderen Seite des Wehrs die Treppe hinunter, platzierte das Board unmittelbar auf dem festen Grund und paste mit 40 km/h davon. Wenig später traf ich P* im Klinikumkomplex und wir tauschten unsere Kleider gänzlich aus, damit ich etwas sicherer zurück nach Rohrbach fahren konnte.
the closest One:
Ich fuhr alkoholisiert mit einem Scooter, der nicht mir gehörte und von jemandem stehen gelassen wurde über die Hauptstraße im Beisein einer großen Freundesgruppe, als ein Polizeiwagen mir entgegenfuhr, anhielt und meine Ausweisdaten forderte. Ich gehorchte erst bis zu dem Punkt, dass ich meinen Ausweis bereits in der Hand haltend überreichen wollte, als mein Kopf kurzschaltete, ich den Roller vor die Füße der beiden Polizisten warf und mit einem Rucksack auf die nächste Straße hinunter zum Neckarufer rannte. Noch nie waren die mich verfolgenden Polizisten so wahnsinnig schnell und in Topform, wie meine beiden Verfolger. Ich hörte wie sie wenige cm, ja sogar Bruchteile einer Sekunde mit ihrer Hand mich fast packten, bis mir der Kurzsprint wie einer Gazelle vor den Löwen letztlich doch in seiner Länge den Vorteil schenkte und mich zum Neckarufer entkommen lies, wo ich mich vor einer Mauer für die nächste halbe Stunde versteckte. Ich erinnere mich noch gut daran, wie mir beim Herunterrennen der Straße eine Gruppe Studenten zujubelte und mich anfeuerten und meinen einen klitzekleinen zusätzlichen Energieschub durch diesen Zuspruch erhalten zu haben. Nach meiner langen Pause, in der stetig Blaulichter über meinem Kopf mit Höchstgeschwindigkeit vorbeischnellten, wagte ich mich wieder auf die Straße Richtung Bismarkplatz und war froh mich weiteren bekannten Freunden anschließen zu können, als ich erschrocken feststellen musste, dass Polizeiautos immer noch wie wild die gesamte Gegend absuchten… Heidelberg halt.
ein Irrer auf den Gleisen:
Nach der Haloween Party bei P* in Freiburg, fuhr ich auf eine kontrollfreie Fahrt hoffend ohne Ticket mit den Öffis zurück nach Heidelberg und wurde noch im ersten Zug von einem nicht locker lassenden Kontrolleur so hart rangenommen, dass mir der Polizeibesuch am Bahnhof der nächsten Haltestelle gewiss war. Als ich nun mit meinem gesamten Zeug von einer dicken Tüte, sowie einem Pizzakarton und meinem Rücksack mich aus dem Wagon schleppte, standen vor Ort schon die Polizei, welche einen Datenabgleich mit den von mir natürlich vorgelogenen Angaben machen wollte. Ich redete kurz mit ihnen und platzierte währenddessen gezielt meinen Pizzakarton auf dem Mülleimer, ehe ich reiß-aus nahm und das Gleiß entlangsprintete. Dabei flüchtete ich über drei Schienen, wodurch ich mir sicher war, dass die Strafe bei einer gescheiterten Flucht sich dadurch sicherlich erhöhen würde. Anschließend rannte ich in den Vorort und verschanzte mich in dem Hintergarten eines gutbürgerlichen Akademiker-Jungfamilienhauses. Nach entsprechendem Warten viel mir auf, dass ich in einem Kaff gelandet war, dass für seine Winzigkeit einen viel zu großen Bahnhof hatte. Ich kehrte anschließend mit einem Bus elend lange zum nächsten Bahnhof, von dem an ich erneut ohne Ticket mit dem Zug nach Hause fuhr. Schade um die liegengelassene Pizza.
Everything on Stakes:
Dieser verhängnisvolle Abend nahm seinen dramatischen Verlauf bereits vier Stunden vor dem Run, als ich betrunken von einem Autofahrer von J* Geburtstag Richtung Rohrbach nach Hause angefahren wurde und dieser obwohl er die Schuld daran hatte, sich meinen Alkoholeinfluss zum Vorteil machte. Kurz später landete ich im Polizeiwagen, wurde von dem Polizisten bei der Frage nach frischer Luft ins Gesicht geschlagen und auf der Polizeistation in Rohrbach alleine im Raum von acht Cops regelrecht mental gefoltert. Diese Nacht verbleibt mir als eine der psychisch anstrengensten Prekärsituationen meines Lebens im Kopf - doch sollte sich das Blatt der Überlegenheit mit meiner erfolgreichen Flucht drastisch ändern. Nachdem ich es bewerkstelligte meine Vater zur Polizeistation zu rufen, wurde ich auf das mehrfache Verweigern eines Alkoholtests hin, in den Polizeiwagen gesetzt und von (mittlerweile anderen Polizisten) zum Krankenhaus gefahren, um eine Blutabnahme zu erzwingen. Der große Fehler der Beamten lag hier beim Abnehmen meiner Handschellen, denn diese Sicherheitsmaßnahme ist bei einem Fux wie mir mehr als notwendig. Mein ausgereifter Plan begann bereits durch die schauspielerische Inszenierung eines zahmen Lamms von Charakter, der Angst vor Spritzen hat und sich gekonnt auf einen zurückhaltenden Smalltalk mit den Beamten einlies. Dadurch sugerierte ich den beiden Polizisten, dass von mir keine Gefahr ausging, als wir schließlich im Hinterhof des Krankenhauses ankommen, ich die Autotüre öffnete und mich wie ein freier Vogel mit 1.4 Promille (wie Eva später messen sollte) auf den Sprint meines Lebens machte. Nie zuvor in meinem Leben bin ich so schnell über so eine lange Zeit gerannt - den gesamten Weg vom St. Josefskrankenhaus bis hinunter zur Bahnhofstraße - und nie zuvor war ein einzelner Sprint in meinem Leben so unfassbar viel wert. Zählt man die finanzielle Nicht-Übernahme des Autoschadens von der Versicherung, sowie die MPU-Kosten und den Mindeststundenlohn, den ich als MPU-Arbeit hätte leisten müssen, so beläuft sich eine Überschlagung der Kosten auf etwa 6.000-7.000€. Diesen ökonomischen Antrieb hatte ich während des Rennens durchaus vor Augen, anders kann ich mir diese betrunkene absolute Höchstleistung eines sportlichen Organismus nicht erklären. Als ich in der Seitenstraße zwischen Bahnhofstraße und Kurfürsten-Anlage endlich zu einem normalen Schritttempo kam, lief ich die Straße entlang als orthogonal hinter mir das Polizeiauto erst vorbeifuhr und dann wie in einer Filmszene im Rückwärtsgang zurücksetzte und die Verfolgung erneut aufnahm. Ich ballerte dem Kollabieren nahe über die Kurfürsten-Anlage und die Schwanenteichanlage und versteckte mich in der Parkhauseinfahrt des Aldis. Ich wusste, dass dies eine Sackgasse war, denn sollten mich die Behörden hier finden, so hätte ich mich in meinem eigenen Spiel wohl geschlagen geben müssen. Das Wetter war extrem kalt und so nächtigte ich 2-3 Stunden von 6:00-8:00 ohne eine Jacke frierend in einer stressdurchzogenen Halbwache, während ich die Polizeiautos nur 10 Meter entfernt unaufhörlich die Straße mit Hochgeschwindigkeit entlang fahren hörte. Als die Luft endlich sicher schien, riskierte ich einen zweiten kühnen und doch effektiven Schritt - denn meine Handlungsmöglichkeiten aus der Stadt herauzukommen waren aufgrund meiner sehr zentralen Lage äußerst begrenzt. Ich wagte mich in die Höhle des Löwen und klingelte bei E* direkt gegenüber dem größten Hauptpolizeirevier Heidelberg-Mitte. Sie machte mir auf und ich stürzte betrunken, übernächtigt, durchströmt von Stress im Schüttelfrost bei meiner Patentante ein und schilderte ihr die Situation, bis mich mein Vater durch die Tiefgarage im Auto aus der Stadt bis nach Mauer zu J* Familie auf dem Land schleuste. Diese Wortwahl ist hierbei keinesfalls übertrieben, denn wie sich herausstellen sollte, fuhr die Polizei auf der Suche nach mir sechs Stunden später immer noch die Straßen Heidelbergs ab, durchsuchten das Haus meines Vaters auf der Suche nach mir und platzierten zwei auf meine Heimkehr wartende Zivilpolizisten an der Fabrikstraße - viel zu auffällig als das meine Familie es nicht sehen würde. Man kann mit relativer Sicherheit behaupten, dass ich an diesem Tag der wohl meist gesuchteste Mann in Heidelberg war - du meine Güte, liebe Heidelberger Polizei was ist denn bitte los mit euch? Ich fuhr am nächsten Tag unmittelbar von Mauer nach Dieburg und wog mich für die nächsten Wochen in einem anderen Bundesland sicher, ehe ich mit einem Grinsen und unmessbarer Genugtuung sechs Wochen später meinen Geldbeutel wieder von der Polizeistation abholte. Dennoch verblieb die Geschichte nicht ohne Konsequenzen, denn es scheint mir als hätte diese Erfahrung eine Art Mikrotrauma beschert, dass mich noch heute ab und an begleitet, wenn ich mich daran zurückerinnere - ja sogar jetzt beim Schreiben habe ich eine merkwürdig starkes Herzklopfen.
ein lustiges Polizistchen:
Meine einzige Polizeiflucht im Ausland geschah während meines Auslandsemesters in Graz, als ich auf meinem E-Board eine rote Ampel überfuhr. Ob das Polizeiauto hinter mir mit Sirene die Verfolgungsjagd aufnahm weil ich ein unzugelassenes E-Board nutzte, oder damit eine rote Ampel mitnahm, ist mir wie beim Longboard-Wehrsprint bis heute nicht klar. Auf der folgenden geraden heizte ich meine 36 km/h entlang und stoppte nach etwa 300 Metern ab, da ich wusste, dass ich auf lange Strecke gegen ein Auto keine Chance hätte. Ich sprang von meinem Board, drehte es um 180 Crad herum und fuhr in die entgegengesetzte Richtung weiter. Zugegeben nicht das eleganteste Wendemanöver war es im Gegensatz zum Polizeikraftwagen sicherlich das schnellste. Während einer der beiden Polizisten weiterfuhr, um mich auf anderer Straße weiter verfolgen zu können, sprang der andere Kollege aus dem Auto und rannte mir hinterher. Zugegeben war er in sehr guter Form, doch ich konnte nicht anders, als diesem süßen Polizistchen mit 30 km/h bequem auf meinem Board geradeaus fahrend einmal kurz hinterher zu winken. Dieses Bild eines sich keuchend abmühenden Polizeibeamten, der nicht einmal den Hauch einer Chance hat, den mit Grazie und Anmut wegschwebenden Vince einzuholen, werde ich in meinem Leben nicht mehr vergessen.

