Reflection on a Filmset
Instruction
Mein Name ist Vincent Hauer und ich habe im Rahmen des Drittsemester Filmprojektes „Nebelglas“ als einer von zwei Produzenten gewirkt. Dem Department der Produktion eilt in unserem Studium ein niederträchtiger Ruf voraus – dies ist wohl dem ungeheuren Arbeitsumfang und der geringen kreativen Beteiligung zu schulden. Dennoch empfand ich das Mitnehmen dieser Erfahrung als besonders gewinnbringend für das Gesamtverständnis eines Filmprojektes und des Sets, weshalb ich mich der Aufgabe bereits in den Sommersemesterferien annahm und bei Rickes „Nebelglas“ – damals noch „Zwischen uns nur Ich“ die Rolle des Produzenten annahm.
Der Tätigkeitsbereich eines Produzenten unterscheidet sich in einer Low-Budget Studentenproduktion erheblich von größeren Projekten. Das liegt wohl daran, dass alle Teilbereiche des gesamten Departments eigentlich in die Hände von Stellvertretern gelegt werden, wodurch der Überblick beim Produzenten als Schnittstelle des gesamten Projektes erhalten bleibt. Mit einem deutlich geringeren Production Value sinkt auch die Anzahl der Mitarbeiter drastisch. Darin resultiert ein erschreckend umfassender Aufgabenbereich, dessen Arbeitsaufteilung per se nicht gegeben ist. Zu ihnen gehören das Location Scouting, Casting, Budgeting, Financing, Catering, Accommodations, Abwickeln aller rechtlichen Grundlagen, Versicherungen und Verträge, Führen einer STAB-Liste, Aufstellen eines Projekt- und Tageszeitplans, sowie Fahrtendispositionen – kurzgefasst: Bürokratie, Formalitäten, Telefonate und viel viel Zeitinvest.
Pre-Production - Crew Finden
Eine wichtige Erkenntnis, die Ricke schon vor Beginn des dritten Semesters gesammelt zu haben scheint, ist die Nützlichkeit der frühzeitigen Akquise aller wichtigen Department Head-Offs. So stand bereits vor dem Pitch nicht nur eine verhältnismäßig lange STAB-Liste, sondern ebenfalls ein Trailer von der MT2 Final Task, sowie ein 2-monats Fortschritt im Screenplay und der kameratechnischen Aufbereitung. Nach dem Pitching trat Toma Petielina als zweite Produzentin dem Team bei – eine Unterstützung, die mich die kommenden Wochen sehr unterstützen sollte. Ein weiterer Teil unserer Crew war Niklas Schneider, welcher trotz seiner kurzfristigen Unilaufbahn von gerade einmal einem Jahr, bereits in fünf großen Projekten im Department der Produktion mitgewirkt hat und dadurch auf einen großen Erfahrungswert zurückblickt. Er stand mir weniger als Hilfskraft und viel mehr als Ratgeber für hilfreiche „Do’s and Dont’s“ zur Seite.
Recherche & Information
Da das Drehbuch mit seiner 15-seitigen Fassung immer noch viel zu lange war, erschien es schwierig einen Anfang für die ersten Produktionsschritte zu finden. Nachdem ich mir eine Lizenz für das Programm „PreProducer“ von der Uni gesichert hatte, merkte ich schnell den Mangel an intuitiver Bedienung und fürchtete, dass andere Crewmitglieder kein Interesse an einer Nutzung hätten. Aus diesem Grund griff ich auf das an unserem Campus die Gesprächsrunden ziehende Programm Yamdu zurück und konnte eine große Studienvergünstigung erhalten. Bereits vor dem wahrhaftigen Beginn der PreProduction stand ich im Kontakt mit vielen studentischen Produzenten und eignete mir einige Erfahrungsberichte und Lektionen an. Darunter wohl am häufigsten vernahm ich das Problem mit der Locationsuche (so auch Niklas). Bereits zahlreiche Studentensets sollen durch die nicht fristgerechte Annahme einer Shooting Location in Mitleidenschaft gezogen worden sein, weshalb für mich feststand: Dem werde ich mich zuerst annehmen. Es sollte sich herausstellen, dass die Locationssuche uns trotz der geringen Anzahl von zwei Drehorten bis zuletzt Kopfschmerzen verursachen würden… das hat ja gut funktioniert.
Mit dem Näherrücken des Drehtermins, welcher nach großem Hin- und Her wegen der geringen Verfügbarkeit des Uni-Equipments von Januar auf Dezember verlegt wurde, intensivierte sich auch der Druck, welcher schließlich in bedingungslosem Stress gipfelte. Etwas anderes hatte ich von dem proklamierten Leidensweg eines Filmproduzenten jedoch auch nicht erwartet.
Ähnlich wie es sich mit der Location verhält, steht es auch um das Drehbuch: Wenn während der Produktion Änderungen vorgenommen werden, wirkt sich das auf den gesamten bisherigen Schaffensprozess aus und bringt Vieles durcheinander. Leider musste das Skript kontinuierlich weiter gekürzt werden, sodass eine ausführliche Drehplanung nicht absehbar erfolgen konnte. Das deutliche Anliegen unseres Dozenten Sebastian Sgodzai, einen Shooting Schedule zu erhalten, schien somit sehr förderlich, denn sobald wir diesen fertigstellten, fiel es uns als Filming Crew deutlich einfacher, offene Tasks mit einer Grundlage explizit anzugehen. Als unterstützende Softwares nutzten wir hierbei Trello. Das Google Ökosystem half uns beim Erstellen von Tabellen, Listen, Umfragen, Dropboxes etc.
Über die Zeit der Vorproduktion hinweg, stieg unsere STAB-Liste fortwährend an. Viele Head-Offs kümmerten sich selbstständig um das Anheuern ihrer Kollegen, doch unterstützten Toma und ich auch hier, um eine Unterbesetzung während der Drehtage tunlichst zu vermeiden. Die Zahl, der insgesamt am Projekt mitarbeitenden Menschen liegt bei ca. 50 Personen, die Set-Größe lag während der Drehtage im Schnitt bei 27 Menschen.
Financing & Budgeting
Das Thema der Finanzierung ist bei uns stark fehlerbehaftet. Viele studentische Projekte bewerben sich auf die Förderung „Kulturmut“, welche in Zusammenarbeit mit der Crowdfunding Plattform auf jeden gespendeten Euro, 50 Cent Zuschuss gibt. Gegen Ende des Jahres läuft der Finanzhaushalt der Förderung leer und wird Anfang Januar wieder aufgestockt. Aus diesem Grund war es nach dem Besprechen mit höheren Semestern mein Plan sich auf die Förderung zu bewerben und einen „Letter of Approval“ zu erwirken. Mit diesem hätten wir das Funding auch erst im Januar starten können, um das größtmögliche Förderungsergebnis zu erzielen. Der Schicksalsschlag traf Anfang Dezember unsere hessische Filmgemeinschaft, als von Kulturmut verkündet wurde, dass sie unabhängig des Förderzeitraums, keine Filmprojekte mehr fördern werden. Dadurch hatten wir mit einer ausbleibenden Förderung, sowie einer großen Verspätung im Money Raising zu kämpfen. Startnext startete also ein paar Tage später im Dezember mit dem Ziel von 1500€.
Tatsächlich wurde das Budgeting von Toma und mir deutlich höher angelegt, als der Film später ausfallen sollte. Wir planten mit einem Etat von 3000€, doch tatsächlich kostete der Film nur 2300€. Von dem Team übernahm dabei jeder 250€ selbst (in Summe 1250€), wodurch mindestens 1050€ Spendeneinnahmen generiert werden müssen. Nach Beendigung des ersten Drehblocks stagnierte StartNext, weshalb wir einen Paypal MoneyPool ins Leben riefen. Dieser schien für viele Spender ansprechender, da auf Startnext nur über Drittanbieter oder Kreditkarte gezahlt werden kann. Eine weitere verpasste Möglichkeit der Finanzierung war das Anfragen von Sponsorships – nicht einmal für Geld, sondern Setausgaben wie Essen/Catering, Equipment oder Requisite (bspw. Blumen). Ich traf bereits zu Beginn die Entscheidung für den Dreh ein eigenes Produktionskonto anzulegen, sodass der gesamte Geldfluss vollständig darüber einzulesen ist. Zudem hatte ich bereits in jungen Jahren von meinem Vater die Divise mitgenommen, dass Schulden ausgezahlt werden müssen. Wann immer ein Department eine Rechnung erhielt, bat ich die Person sie mir mit ihrer IBAN weiterzuleiten, sodass das ich das Geld unverzüglich versenden konnte und keine Zahlungen untergingen oder fernblieben. Beim Catering konnte Aron durch das Abgleichen der Produktpreise in vier verschiedenen Supermärkten eine große Ersparnis erzielen.
Drehbeginn
Für mich stand als Produzent die offene Kommunikation mit allen Departments und allen Beteiligten an oberster Stelle. Das erwähnte ich auch bei meiner Eröffnungsrede vor dem ersten Take, denn die meisten und folgenschwersten Fehler beruhten aus Set-Erfahrung sprechend auf mangelnder, fehlender oder fehlerbehafteter Kommunikation. Lieber eine WhatsApp Nachricht mehr versenden, lieber jeden Betroffenen persönlich mit einbeziehen und lieber ein drittes Mal nachfragen, wenn keine Rückmeldung kommt. Dieses Vorgehen stellte sich als äußerst zeitintensiv, aber letztlich ebenso gewinnbringend heraus.
Jede/r Dozent/in und Professor/in hat uns im Vorhinein gesagt, dass unser Drehpensum unmöglich erreichbar ist und doch kann ich stolz behaupten, dass wir dem mit viel Mut entgegengetreten sind – und erfolgreich waren. Mit Hin- und Rückfahrt 12 Stunden Arbeitszeit, also maximal 10 am Set sogar in den gesetzlichen Bestimmungen liegend, war es ein Zeugnis sorgfältigster Planung, dass der reibungslose Ablauf am Set vollzogen werden konnte, ohne dass der Regie durch Zeitstress wertvolle Takes beraubt wurden. Die Shotliste war bis ins Detail durchgeplant, Backup Solutions wurden im Vorhinein getroffen und der Shooting Schedule war anspruchsvoll, aber realistisch aufgezogen. Während des gesamten Produktionszeitraums war es für mich unerlässlich, einen stetigen Überblick zu behalten. Ich notierte mir alle noch so unscheinbar wirkenden Aufgaben und Themenbereiche & ordnete alle Belange in einem selbst gestalteten digital und analog geführten Konzept. Ich arbeitete mit Erinnerungen, Weckern und telefonierte vermutlich mehr als die vorherigen Monate zusammen, denn eine schnelle Rückmeldung ist ungemein wertvoller als das Warten auf eine Nachricht. Bei Anfragen von fremden Institutionen wie bspw. der Suche nach Toiletten bei dem Parkhausdach als unser Außenmotiv war ich stets darauf bedacht am Telefon einen seriösen und professionellen Eindruck zu vermitteln. Auf Niklas‘ Rat in hatte ich deutlich mehr Erfolg, mit dem Eingeständnis von „ein paar Studenten, die ein Uniprojekt durchführen müssen“, weil die Simplizität dieses Anspruchs für den Empfänger am anderen Ende der Leitung deutlich weniger Bürokratie-belastet scheint. Grundsätzlich viel uns auf, dass der Campus als unsere genutzte Shooting Location große Vorteile bot. Wir konnten kostenfrei drehen, hatten wenig Auflagen, eine sehr gute Infrastruktur und grundsätzlich bekanntes Umfeld. Zudem passt das denkmalgeschützte Gebäude makellos in die Auffassung eines Krankenhauskomplexes, auch wenn ich für sicherlich kein weiteres Projekt den Campus nutzen möchte – das wäre durchaus zu langweilig.
Zusammenarbeit
An dieser Stelle sollte ich anmerken, dass unser Projekt durch ein Team mit für Drittsemesterverhältnisse sehr hoher Expertise vorangetrieben wurde. Das Lighting-Department war stets zuverlässig mit Lukas König als Oberbeleuchter, welcher bereits bei zahlreichen namhaften Industrieprojekten Licht gesetzt hat. An Studentensets macht die Produktion häufig zugleich auch Set-AL – ein Konzept, welches ich auf keinen Fall befürworte. Es ist wichtig einen Vertreter der Set-Arbeiter zu haben, wenn sich Regie oder Produktion über die vereinbarten Arbeitszeiten hinwegsetzen. Hier kommen Leandro Ribeiro als First AD und Niklas Schneider als Set-AL ins Spiel. Bereits in der Vorproduktion legte Leandro mit dem Aufstellen und Besprechen des gesamten Shooting Schedules, sowie der Tagesdispositionen ein Engagement an den Tag, welches ihm trotz der Tatsache, dass er nicht Teil der Kerngruppe war, auf jeden Fall hätte CP einbringen müssen. Das Zusammenspiel von ihm mit Niklas Schneider am Set war von einer sehr guten Koordination geprägt. Ein weiterer Grund für die erfolgreiche Bewältigung unseres massiven Work Loads ist nach eigener Einschätzung die vorherige Zusammenarbeit vieler wichtiger Set-Arbeiter in derselben Department Konstellation. Ob Niklas Uthe als DoP mit Lukas König, Niklas Schneider mit mir als Produktion oder Ricke Koths als Regie mit Jördis Herrmann als Darstellerin – die zugrunde liegende Set-Mentalität war trotz zeitlicher Anspannung sehr angenehm und freundlich… was zu Teilen sicherlich auch dem Muster-Settisch und dem leckeren Catering geschuldet ist. Am Set tendieren Menschen sehr schnell dazu, bei Fehlern mit dem Finger auf eine andere Person zu zeigen. Dagegen gingen wir als Team entstandene Probleme gemeinsam an und dachten stets lösungsorientiert. Ein täglich stattfindendes Reflektionsgespräch am Ende des Drehtages half uns dabei. Hier wurde jeder Head-Off miteinbezogen und bekam die Möglichkeit positive und negative Geschehnisse anzusprechen, sowie wichtige Themen für den bevorstehenden Drehtag zu klären.
Krisen und Probleme:
Als Produzent stehe ich in der Hierarchie des Films ganz oben. Das birgt einen großen Handlungsspielraum ebenso wie eine große Verantwortung. Für die meisten fundamentalen Fehler während einer Produktion, kann heruntergebrochen die Produktion dafür verantwortlich gemacht werden. Selbst wenn der Fehler ununterbrochen bei einem anderen Department liegt, wäre es die Aufgabe des Produzenten gewesen, dieses Department besser auszustatten – finanziell oder mit Arbeitskräften. Zwar hatten wir mit dem Anordnen unserer STAB-Liste keine Schwierigkeiten, doch am Set sollte sich herausstellen, dass das einzige unterbesetzte Department mein eigenes ist. Während der Drehtage verbrachte ich selten Zeit am tatsächlichen Set, sondern legte mein Augenmerk auf die Organisation von der unweit entfernten Base aus. Leider konnte ich mich auf diese nicht konzentrieren, denn zugleich wirkte ich als einziger Set-Fahrer und musste etliche Besorgungen machen. Diese Tatsache ist einem Kommunikationsfehler geschuldet, nach dem Toma unserem Editor Marc Bröllochs gesagt hatte, dass seine Hilfe während der Drehtage nicht von Nöten wäre und er mit seinem Auto deswegen in die Heimat fuhr. Zudem fiel Leanne Hartner wegen einer Erkrankung dem Catering weg, weshalb Aron sich dem allein annehmen musste, zeitlich aber nicht konnte. Das brachte mir die Beförderung des Set-fahrenden Cateringproduzenten ein, welche jeder gesundbleibende Mensch tunlichst vermeiden sollte. Mir fehlte während der aktiven Drehzeit die Möglichkeit, mich den eigentlich wichtigen produktionellen Angelegenheiten zu widmen, wodurch sich die Bearbeitung dieser in die späte Nacht verschoben: Während unserer 5 Drehtage habe ich durchschnittlich vier Stunden Schlaf erhalten – von dem massiven Schlafentzug in der Pre-Production ganz zu schweigen. In vielen Kreisen des Studiums brüstet man sich damit - ich verfolge den Ansatz eine so grundlegend ungesunde Lebensweise nicht abzulehnen, sondern zu verurteilen. Natürlich ist es unerlässlich in der Hochphase eines Filmprojektes alle Ressourcen aufzuwenden, darin besteht schließlich auch die Romantik des Studentenfilms. Auf der anderen Seite sollte diese Tatsache der proaktiven Überarbeitung nicht glorifiziert werden, denn mit unserem letzten Drehtag am 20. Dezember hatte ich über die Weihnachtszeit ein beständiges Schwäche- und Müdigkeitsgefühl.
Ein weiteres Problem bestand in der Arbeitsaufteilung zwischen Toma und mir. Keineswegs lag die Schwierigkeit am mangelnden Engagement zur gleichwertigen Mitarbeit (ganz im Gegenteil), sondern in der Sprachbarriere, welche mich einen Großteil der wichtigen Aufgaben übernehmen ließen. Produktionsanfragen, sowie vertragliche Gegenstände fallen mit gutem Deutsch deutlich ergebnisreicher aus. Da Toma ebenfalls kein Auto fahren darf, verblieb sie mit einem hohen Anteil der Recherche und Verwaltung durch das Führen von Listen.
Die wohl wichtigste Erkenntnis erlangte ich während des vierten Drehtages. Der Zeitplan wurde zum ersten Mal stark überschritten und es schien, als würde die Crew in Überstunden getrieben werden, als Leandro, Niklas S. und ich während der Mittagspause ein Krisengespräch führten. Dabei musste ich mir eingestehen, dass die Problematik vor allem auf eine produktionelle Schwäche zurückzuführen ist. Ich hatte nicht die Zeit gehabt, mich um alle Belange zu kümmern und merkte, dass dies gar nicht meine Aufgabe sei. Stattdessen ist es von großer Notwendigkeit, andere Leute für die zu erledigende Arbeit auszuwählen, um Raum für das wirklich Wichtige zu schaffen. Da ich Personen grundsätzlich widerwillig in Unbequemlichkeiten bringen will, lade ich mir die Arbeit sehr häufig selbst auf. Als Produzent musste ich jedoch umschalten und erkannte, dass die Arbeitsverteilung von mir als höchstes Verwaltungsorgan unabdinglich ist. So kam es, dass ich bspw. Mahdi Safi als Set-Runner darum bat, unsere Catering Küche fern ab vom Set aufzuräumen, einfach um mir selbst etwas Zeit zu schenken. Darüber hinaus ist es wichtig, über die notwendige Mitarbeiterzahl der Set-Größe entsprechend, zu verfügen. Dass sich manche Menschen langweilen, weil sie großen Wartezeiten ausgesetzt sind, lässt sich dabei nicht vermeiden. Ich lernte, dass diese Tatsache nicht mein Verschulden, sondern ein zu akzeptierender Teil der Filmbranche ist. Für mich wichtig ist die Zuverlässigkeit des funktionierenden Sets, damit der Arbeitsumfang professionell bewältigt werden kann.
Zu guter Letzt sah ich mich einer Überschreitung zwischen meinem Privatleben und dem Dreh gegenüberstehen. Nicht nur wurde ich meines Schlafes beraubt, ich konnte mich auch nicht bei meinem 6-jährigen Jubiläum mit der Partnerin vollends entspannen und hatte wie Ricke auch mein Zimmer an unsere/n Darsteller/in abgetreten, um Produktionskosten zu sparen. Das bedeutet, dass mir nach einem 16h-Tag sogar die effiziente Möglichkeit eines Rückzugsortes fehlte. Für mich waren diese Tatsachen in Ordnung, da ich mich im Vorhinein darauf einstellte, doch ich denke das es wichtig ist, seine eigene Grenzsetzung entschieden festzulegen und nicht zu überschreiten.
Post Production:
Der 21. Dezember ergab sich mit dem gesamten Ver- und Aufräumen der Technik, Requisite, Kostüm und Locations vom Arbeitsaufwand wie ein sechster Drehtag. Nicht nur unsere Physis, sondern auch das prominente MoPi House litt augenscheinlich unter dem Dreh, da es für die nächsten Wochen vollgestellt mit allerlei Gegenständen unaufgeräumt war. In der Küche sah es aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen… in meinem Kopf auch – zum Glück folgte erstmal die Weihnachtswinterpause. Beim Gastdozentenmeeting mit dem Editor Torsten Truscheit wurde es dann klar: Unser Film hat großes Potential, doch dieses steht und fällt mit dem Schnitt und Pasing. Rough Cut Version: 30 Minuten. Leider habe ich nicht das Gefühl, dass unser Editor Marc Bröllochs denselben Arbeitsaufwand in das Projekt steckt, wie die anderen Kerngruppenmitglieder. Vielleicht kann man das auch nicht erwarten, doch ich hoffe, dass der Film es auch durch den letzten Produktionsprozess schafft, um schließlich auf Festivals präsentiert werden zu können. Das sind wir den vielen Mitwirkenden auf jeden Fall schuldig.
Fazit und Lehren:
Beim Anschauen des Rough Cuts realisierte ich zum ersten Mal, was vorher zwar schon klar war, aber nicht wirklich verinnerlicht wurde. Der Film fasst nicht meine Interessen auf. Zweifelsohne ist er deswegen nicht schlecht, ich kann ihn nur nicht fühlen und hätte nichts inhaltlich Vergleichbares kreiert. Als Produzent war die Kreation nicht mein Bereich, weshalb ich mich stets außen vorhielt, doch zu sehen, dass ich so viel wertvolle Zeit in ein Projekt gegeben habe, welches ich selbst gar nicht wirklich greifen kann, ist ein betrübendes Gefühl. Dennoch war die Zeit sehr erfahrungsreich und ich hätte es immer wieder gemacht. Jedem Filmstudenten, der die Möglichkeit des Ausprobierens aller Departments hat, findet in der Produktion sicherlich einen großen Mehrwert, der das Allgemeinverständnis eines Films in allen Schaffensprozessen um ein Vielfaches erweitert. Um die mitgenommenen Lehren kurz zusammenzufassen, hier ein kleiner Überblick:
Frühzeitiges Anheuern, gutes Personal mit Vorerfahrung
Set-Ambiente durch offene Kommunikation und gute Planung essenziell
Sammeln von mehr Set-Erfahrung unabdinglich und förderlich für jedermann
Location mit großer Priorität begegnen
Skript realistisch einschätzen
Um auf den Beginn des Projektes zurückzukommen, wäre es als Produzent meine Aufgabe gewesen, das Skript von Anfang an abzulehnen und es kürzen zu lassen – mit Nachdreh und beiden Drehblöcken landeten wir schließlich bei insgesamt 9 Shooting Days. Ich denke, dass der Beruf der Produktion ansprechender wird, je mehr Geld dem Haushalt zur Verfügung steht. Auch wenn es für mich in die kreative Richtung geht, hat die Filmproduktion etwas Großartiges. Das extrovertierte Kommunizieren und die aktive Energie der Umsetzung erinnern mich an die Ursprünge des Filmemachens – die Leidenschaft, welche mein Herz erwärmt.

