In einer Karawane zog ich dahin –
überfallen von Wilden.
Barbaren nenn’ ich sie –
aus einem Land, das längst
mein Vater hätte beugen müssen.
Wie töricht, mich gefangen zu nehmen,
als kennten sie die Folgen nicht.
Yuma, der Prinz – Yuma, der Knecht.
Was trennt sie?
Schaut man in sich selbst,
so kennt man weder Rang noch Namen.
Ein Geist nur, der den Körper trägt,
und eine Seele, die ihn lenkt.
O ich elender Tor! Ich baute auf meines Vaters Macht,
auf Rat und Heer und Reich – und nun?
Stehe ich nackt, entblößt von jedem Titel.
Was mir die eine Welt verlieh, hat mir die andre genommen.
Und beide sind aus Menschen gemacht – wie ich.
Ein Mensch durchzogen von Schuld.
Hätte ich nicht genommen, was mir nicht gehörte -
nicht gebrochen, was ich zu schützen schwor…
stünd’ ich dann hier?
Dem Tode nah, ohne Hoffnung, ohne Licht.
Und dennoch – ist es nicht gerecht!
Wie wollt ihr Leid mit Leid vergelten,
wenn ich zur Krone geboren wurde?
Ist mein Leben doch von größerem Gewicht!
Besteht mehr Anspruch auf dieses Leben.
… oder ist das nur, was man mich lehrte?
(Pause, aber er verdrängt es)
Nein! Gerechtigkeit – was ist sie mir?
Was nützt sie dem, der in Ketten stirbt?
Freiheit – das ist es, was der Mensch begehrt.
(Bruch – Hysterie)
Ich will nicht sterben!
Nein, nein – hört mich!
Gebt mir noch einen Atem mehr, nur einen!
Ich weiß, was ich euch nahm –
doch was gewinnt ihr, wenn ihr es wiederholt?
Ein Kreislauf aus Blut, Hass und Zorn – er frisst euch auf!
Er verschlingt euch alle!
Hört ihr mich? Seid vernünftig – lasst mich gehen!
(Pause – Bruch nach innen)
Ich habe so Angst, vor der Dunkelheit,
was kommt danach? Es fürchtet mich!
Nein… der Mensch ist nicht vernünftig.
Das Fortleben meiner Linie,
getragen durch mein Blut,
bewahrt durch meine Hand.
Dass ein Mensch vergeht – doch sein Name bleibt.
So hat man es mich gelehrt.
Dass darin Sinn liegt. Dass darin Größe liegt.
Doch was ist ein Name,
wenn der, der ihn trägt, vergeht?
Und dann vergisst, so wie ich vergessen werde.
Ich vergesse und werde vergessen.
Das scheint wohl der wahre Grund des Lebens.
Völker, Länder, eine Welt - unzählige Leben, jedes für sich.
Und ich war nie mehr als eines davon.
Da wird es warm in meiner Brust.
Hab’ ich mein Leben doch gelebt.
Es war ein gutes Leben. Und das genügt.
Gut das ich gelebt habe.
Die Geschichte vom Prinzen Yuma
Format: selbstgeschriebener Monolog (2026)
Stück: Die Geschichte vom Prinzen Yuma
Sprache: Deutsch
Rolle: Yuma
Schreiber: Vince D. Hauer

